Bessame - Seite 2

Das Regiment führt ein brutaler und korrupter Aufseher, der die jungen Männer mit sadistischen Methoden abrichtet, ihren Willen bricht, und sie nach seiner Lebensmaxime drillt, daß nur der Stärkere, der sich zu wehren versteht, überleben kann. Diese äußeren Bedingungen verändern den Charakter des jungen begabten Musikers, der, um sich selbst zu retten, zum brutalen, gefühllosen Tier wird, das all das zerstört, was er einst verehrte.

Kritik: Nach "Der Nebelläufer" kommt der nächste Film des Saarbrücker Verleihs MOP (Max Ophüls Distribution) ins Kino: "Bessame", ein bedrückendes Werk, das einen

Bessame

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distanzierten, aber genau beobachteten Blich auf eine entmenschlichte und letztlich darwinistische Gesellschaft wirft. Der Film spielt in Spanien zur napoleonischen Besatzung, bezieht sich aber zeitlos auf alle Systeme der Unterdrückung. Bessame, ein verwaister Hirte ohne Schulbildung, wird von einem Musikprofessor aufgenommen, der sein großes musikalisches Talent erkannt hat. Doch in der Schule gerät er an einen fanatischen Geschichtslehrer, für den Napoleon das Maß aller Dinge ist. Als Bessame sich widersetzt, muß er zur "politischen Erneuerung" in eine Besserungsanstalt.

Dort verliert der Film durch den fast völligen Verzicht auf historische Kostüme oder Dekors seinen Zeitbezug und wird zur allgemeingültigen Parabel auf eine menschenunwürdige Gesellschaft. Der sadistische Leiter der Anstalt läßt sich bestechen, zwingt die Jugendlichen zu brutalen Kämpfen. Bessame versucht, sich dem Terror und dem anzulernenden Haß zu entziehen, doch er hat keine Chance: Nach seiner "Erneuerung" ist er ein abgestumpfter und gebrochener Mann, der nun nicht mehr Querflöte im stillen Kämmerlein spielt, sondern auf Befehl seines dispotischen Fürsten die Pauke schlägt.

Regisseur Nino Achwlediani macht diese Deformation sogar dadurch deutlich, daß Bessame nach seiner Umerziehung von einem anderen Schauspieler verkörpert wird. Ansonsten schildert sie die Unmenschlichkeit scheinbar teilnahmslos in kühlen, blaugrauen Farben und mit quälender Ruhe - was den Film um so berührender und eindringlicher macht.
Tobias Kessler (Saarbrücker Zeitung)

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