Untersuchung an Mädeln - Seite 2

"Für die Männer ist die Liebe nur ein Trieb, der sich vom Harnlassen kaum unterscheidet", sinniert Stella Blumauer (Anna Thalbach) in ihrer Zelle, in der sie auf den Anfang vom Ende wartet. Esmeralda Nemetz (Elke Winkens) wartet schweigend in einer anderen Zelle. Die beiden Freundinnen wurden vom Viehhändler Josef Trummer in seinem Wagen mitgenommen und sexuell mißbraucht. Für den von sexuellen Phantasien gequälten Untersuchungsrichter Baldur Meixner (Otto Sander) gibt es keine Zweifel. Die animalisch-erotische Ausstrahlung der Mädel hat den Viehhändler getötet. Frauen sind Täter. Die Leiche wird niemals gefunden.

Untersuchung an Mädeln

Untersuchung an Mädeln

Dass Trummers Pass fehlt, scheint die bigotten Hüter von Recht und Ordnung nicht zu stören. Frauen, die sich wahllos dem männlichen Geschlecht hingeben, sind für ihre möglichen Taten zur Verantwortung zu ziehen. Im Namen des Volkes. "Der Hure bleibt zumindest eines erspart - die Anrede Fräulein." Nur Harald Poppinger (Max Tidof) glaubt an die Unschuld seiner Gespielinnen.

Nach dem gleichnamigen Roman des Autors und Rechtsanwalts Albert Drach hat der Regisseur Peter Payer die "Untersuchung an Mädeln" in Szene gesetzt, deren strenger, protokollarischer Rhythmus fasziniert. In eigenwilligen Rückblenden nähert sich Payer den beiden Frauen, ohne jemals selbst Position zu beziehen. Er lässt Thalbach und Winkens genügend Raum, um Gefühlszustände zu erfassen und auszudrücken. Glück, Freude, Trauer, Angst. Mit Gesten, Mimik, Bewegungen und kargen Dialogen, in denen keine überflüssigen Worte fallen. Fast unmerklich entblößt er die zweifelhafte Wahrheit, die sich mit subtiler Gewalt wahr lügt. Payer hat ein anspruchsvolles filmisches Protokoll eines Prozesses geschaffen, das den Zuschauer herausfordert, sich darauf einzulassen. (Media Biz)

Peter Payers tragikomische Kriminalgeschichte über eine Hexenjagd in Zeiten eines nur scheinbar modernen Rechtssystems macht von Anfang an klar, daß der wahre Fall "Patriarchat" heißt. Nach und nach läßt er zwei Frauenfiguren entstehen, wie sie einschlägig männlichen Vorstellungen von Frauen entsprechen: Stella und Esmeralda (Elke Winken, Anna Thalbach) sind attraktiv, jung und voller Lebenslust für die einen eine Chance, für die anderen eine Bedrohung. Die Forschheit und die Plumpheit ihrer Liebhaber und Verfolger macht die Geschichte zu einer saloppen Satire auf eine Männerwelt, deren Gedankengänge bestenfalls zwischen den Beinen durchführende Engpässe sind.

Albert Drach, Autor des Romans, der Payers Film zu Grunde liegt, war Jurist. "Er hat dieses Kriminalprotokoll wie alle seine anderen Romane in sehr juristischem Deutsch geschrieben. Daher auch dieser eigenartige Sprachstil, den wir zum Teil im Film übernommen haben." Aber, so erläutert Payer, es handelt sich bei Drachs Buch nicht um eine konkrete Fallbeschreibung. Die vielleicht absurdeste Figur des Films, der selbst ernannte Seemann in der niederösterreichischen Provinz stammt ebenfalls aus dem Roman. "Mir hat gerade dieses Bild sehr gut gefallen: der Seemann als Freibeuter der Seele, der weitgereiste Matrose, der dann in diesem nicht einmal kleinstädtischen Umfeld steckenbleibt. Das ist eine Metapher des Scheiterns, aber gleichzeitig gibt er seine Ziele nicht auf."

Die Schauspielerin Anna Thalbach und Elke Winkens sind beide in gewissem Sinne Stars. "Elke Winkens ist in Österreich sehr bekannt, sie kommt aber aus der Comedy-Richtung. In diesem Film spielt sie ihre erste ernsthafte Rolle."

Peter Payers Film ist sehr österreichisch, und das liegt an der Sprachmelodie und am Rhythmus, nicht an der Aussprache der Darsteller, die zum großen Teil Deutsche sind. "Wir benutzen eine Form von Kunstsprache, und wir hatten große Angst, die für die englische Fassung zu übersetzen. Das seltsam Süffisante, Böse, Bittere, aber doch Lustvolle der Sprache, vor allem der Off-Kommentare, ist glatter und böser geworden. Die leise Ironie ist ein bisschen weg, aber dafür ist es zynischer."

 

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