Hurensohn - Seite 2

Ozrens Mutter ist aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Wien gekommen. Mit einem Mercedesfahrer. Jetzt sitzt sie da, in ihrer kleinen Wohnung mit Klo am Gang, allein mit ihrem Kind.

Ozren wächst in einer seltsam behüteten Welt heran, in der ihm jeder nur das Gute will, aber keiner die Wahrheit sagen kann. Abends, wenn Silvija arbeiten muss, passen Tante Ljilana oder Onkel Ante auf Ozren auf. Beide lieben den Buben über alles. Ihr tief verwurzelter Glaube an Gott und sein liberaler Pragmatismus bilden die Eckpfeiler zum Mysterium, das Ozrens Mutter umgibt.

Ozren ist nicht wie andere Kinder. Das weiß er selbst am Besten. Einmal kommt eine neue Schülerin in seine Klasse. Ein Mädchen aus Bosnien, dort wo gerade ein fürchterlicher Krieg tobt. Sie spricht kein Wort. Sie hat auch ein Geheimnis. Ozren ist verliebt.

Als Ozren 16 wird, beschließt Silvija aus der gemeinsamen Wohnung auszuziehen. Es ist zu eng für sie beide, sagt sie, aber in Wahrheit ist es zu eng für sie drei, für den Sohn, die Mutter und die Hure. Silvija will Ozren regelmäßig besuchen. Sie wird ihm das Geld zustecken, das er fürs Leben braucht. Wenn es Probleme gibt, kann er Tante Ljilana oder Onkel Ante anrufen. Ihre neue Adresse hinterlässt sie nicht.

Anfangs findet sich Ozren in seinem neuen Leben ganz gut zurecht. Er hilft Pepi, der unten in der Mercedesbar als Mädchen für alles arbeitet, bei seinen täglichen Pflichten. Ozren putzt und wischt, er schaut und hört und kommt der Welt der Huren immer näher.

Hurensohn

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Aber seine Mutter ist längst keine Hure mehr. "Sie ist eine Geheime.", sagt Pepi. "Was ist der Unterschied, wenn es geheim ist?" - "Der Preis."

Eine Geheime. Das Wort wird zur Obsession. Ozren beschließt, seine Mutter zu suchen. Eine Telefonnummer führt zur Adresse. Die Konfrontation ist unausweichlich. Es kommt zur Katastrophe. "Ich habe meine Mutter umgebracht, meine allerliebste Mutter!"

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