Justino - Der Mordbube - Seite 2

Justino hat sein Brot als "Puntillero" verdient: das ist der Mann der dem vom Torero besiegten Stier in der Arena den tödlichen Dolchhieb versetzt. Jetzt ist er pensioniert. Sein Abschiedsgeschenk ein wunderschöner Dolch. Aber was soll der Witwer nun mit seiner Zeit anfangen? Untätig als Besucher in der Arena herumzusitzen, dazu hat der keine Lust. Er zieht mit seinem Freund Sansoncito, dem Sitzkissenverkäufer aus der Arena, den demnächst auch die Ödnis der Rentnerexistenz erwartet, durch die Bars und beginnt zu trinken. Beide träumen von Benidorm, an dessen Strand Sansoncito seine Asche verstreut wissen will, "damit sich alle schönen Frauen dort auf mich legen können."

Justino

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Der letzte Drink ist natürlich immer der verkehrteste, das weiß auch Justino, der auf dem Heimweg stürzt und ins Krankenhaus kommt. Wieder daheim, reißt der Streit mit seinem Sohn und seiner Schwiegertochter, bei denen er lebt, nicht ab. Die überraschende Wende kommt, als er nach einer erneuten Auseinandersetzung beide ins Jenseits befördert. Das war kein Problem für ihn, denn als Profi wußte er genau, wo er den Dolch anzusetzen hatte. Und nun beginnt eine Art zweiter Frühling für den Alten, ein Emanzipationsprozeß durch Mordausübung, die unter den bizarrsten Umständen stattfindet und in einem grandiosen Showdown von geradezu shakespearscher Blutigkeit endet.

"Justino der Mordbube" ist ein in 16 mm Format gedrehter und auf 35 mm aufgeblasener Schwarz-weiß-Film, und das verleiht der Komödie in der Tradition des spanischen schwarzen Humors von Buñuel, Berlanga, Ferreri und García Sánchez noch eine besondere ästhetische Raffinesse. "Justino, der Mordbube" lebt aus dieser Tradition, aber in Athmosphäre, Erzählduktus und Montage schafft er dennoch etwas ganz Eigenständiges. Ausgangspunkt der Geschichte ist eine Stierkampfarena. Justino, der für das Töten der Stiere verantwortlich war, feiert unter den Ovationen des Publikums seinen Abschied. 62 Jahre alt, wurde er frühzeitig in den Ruhestand entlassen. Doch der Triumph ist vergänglicher, als Justino dachte.

Mit einem Budget von etwa 500 000 Mark entstand "Justino, der Mordbube" in zweieinhalb Monaten. Aufgebracht haben das Geld die Regisseure und der Produzent selbst. Es ist nach sechs Kurzfilmen der erste Spielfilm der beiden Nachwuchsfilmer und lief bereits auf zahlreichen spanischen Filmfestivals. In Sitges wurde er 1994 mit den Hauptpreisen für die beste Regie und den besten Hauptdarsteller ausgezeichnet.

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